Der Bollenhut
Der Bollenhut im Schwarzwald
Zu einer richtigen Schwarzwälder Tracht gehört ein Bollenhut.
Bild: Schwarzwaldmädel mit Bollenhut (© irisch/PIXELIO)
Könnte man, so auf den ersten Blick jedenfalls, meinen. Dabei ist diese, für Schwarzwaldromantik schon fast synonym gewordene Kopfbedeckung mit den auf eine Strohunterlage aufgenähten vierzehn – je nach Familienstand der Trägerin – schwarzen oder roten Wollrosen der große Stolz ausschließlich der Bäuerinnen aus Gutach, Kirnach und Reichenbach (bei Hornberg). Darauf pochen sie noch heute.
Die Geschichte mit dem Bollenhut wäre kurz vor dem Ersten Weltkrieg zu Ende gewesen. Damals besuchte die badische Großherzogen Hilda als Schirmherrin ein großes Trachtenfest, das die Gutacher lange vorbereitet hatten. Die Bollenhutmacherin hatte der Landesmutter als Geschenk einen schönen roten Bollenhut angefertigt. Überreicht wurde dieser aber von einer anderen Frau, die im Dorf mehr galt, wie das Leben halt so spielt. Darauf war die Bollenhutmacherin so erbost, dass sie schwor, niemals wieder einen solchen Hut herzustellen und auch niemanden zu verraten, wie er gemacht wird.
Ihre Nichte, die die Kunst des Bollen-Hutmachens ebenfalls beherrschte, tat es ihr nach und so schien das Schicksal des echten Bollenhutes besiegelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg macht sich der Hausacher Maler und Dichter Eugen Falk-Breitenbach auf Geheiß des damaligen Staatspräsidenten Leo Wohleb auf die Suche nach der letzten Erbin der Bollenhutmacherkunst.
Das Ergebnis seiner Recherchen beschreibt er so: „ Ich ging auf das mir bekannte Häuschen zu; eine alte Frau war dort soeben beschäftigt, vom Futtergang aus ihren Zeigen „vorzugeben“. Ohne dass ich Gelegenheit hatte, der Frau nur einen „Guten Tag“ zu wünschen, wurde ich mit Schimpfworten empfangen, die noch auf den Besuch der Großherzogin zurückgingen. Mit meiner Redekunst versuchte ich der alten Frau klar zu machen, in welchem Auftrag und mit welcher Absicht ich zu ihr gekommen war. Aber alle meine Bemühungen und meine guten Worte waren vergebens; zu guter Letzt nahm sie gar mir ihrer Futtergabel eine Stellung ein, die mich veranlasste, so schnell wie möglich ihre Umgebung zu verlassen.“ Die alte Frau war die besagte Nichte.
Falks Ehefrau Emma erlernte daraufhin dieses diffizile Handwerk mühsam, indem sie etliche alte Originale auseinander nahm und ihren Aufbau studierte. Das war 1952. Ihr erster eigener Hut war nach einigen Monaten fertig. Bewunderung und Anerkennung waren groß- Stolz vermerkt Falk, dass selbst die alten Gutacherinnen damit überzeugt werden konnten. Nach dem Tod von Frau Emma übernahm die Gutacherin Hedwig Kaltenbach das Amt der „Bollehuetmacheri“.
Staatspräsident Wohleb, der Anreger dieser Aktion, wurden wegen seiner allzu badischen Einstellung, die den Bestrebungen, Stuttgart zur Landeshauptstadt zu machen, entgegenstand, 1952 als Gesandter nach Lissabon aus dem Weg „befördert“.
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